Singularity 1

Der technologische Fortschritt läuft immer schneller, so dass der Gap zwischen dem “Modernen” und dem “Bewehrten” immer größer wird. Eigentlich bereits jetzt so groß, dass die Verständigung zwischen den zwei Welten teilweise nicht mehr möglich ist.

Ein Beispiel dazu ist die vom Dobrindt angestoßene Ethik-Kommission, die sich letzte Woche gesammelt hat, um festzulegen, was (so wörtlich) “die Programmierer dürfen und was nicht”, wenn sie die Algorithmen für die selbst fahrenden Autos schreiben. Die Vorstellung der Politik, dass die selbst fahrenden Autos tatsächlich irgendwo den Code nach dem Motto “if rechts(is ein Fussgänger) then fahre(links);” haben, ist dermaßen realitätsfremd, dass einem zunächst einmal die Worte fehlen.

Im besten für die Ethiker Fall (der ziemlich unwahrscheinlich ist), ist dort das System in zwei Teilen aufgeteilt:
a) Erkennung einzelner Objekte aus einer Menge der farbigen Pixel
b) Vorhersage der relativen Positionen und Geschwindigkeiten dieser Objekte, relativ zum eigenen Auto, um rechtzeitig bremsen oder ausweichen zu können.

Dabei könnte es sein, dass man die erkannten Objekte klassifiziert (“Haus”, “Mensch”, “Auto”), um den Punkt “b” besser vorhersagen zu können. Das muss aber nicht sein, weil man allein aus dem Volumen der Objekte (angenommen eine durchschnittliche Dichte) ihre Masse und dementsprechend ihre Trägheit gut genug abschätzen kann.

Viel wahrscheinlicher ist aber, dass man für die selbst fahrenden Autos der Zukunft Deep Learning einsetzt. Beim Deep Learning werden die farbigen Pixel als Input für eine Blackbox geliefert, und diese Blackbox so lange trainiert, bis sie vernünftig fahren kann. Ob diese Blackbox irgendwo intern die Begrifflichkeiten “Raum und Zeit”, “Materie”, “Objekt” und “Mensch” entwickelt, sozusagen als Zwischenschritte von farbigen Pixeln zur Position vom Lenkrad und Gaspedal, ist ungewiss, zufällig und ändert sich von Version zu Version.

Beim Deep Learning wird die subjektive Zeit, die innerhalb der künstlichen Intelligenz herrscht, so komprimiert, dass dort die gesamte Entwicklung der Intelligenz auf der Erde (von Zellen bis zum Menschen) in mehreren Tagen unserer Zeit verläuft, zumal die künstliche Intelligenz in ihrer eigenen Welt unsterblich ist. Diese Entwicklung wird bei jedem Training-Versuch wiederholt, bis ein für Menschen gewünschtes Ergebnis erreicht wird.

Und ob die künstliche Intelligenz bei ihrer Entwicklung den gleichen Weg wie unser einschlägt, mit der klassischen Logik, dem Raum und Zeit-Konzept, der Farbenskala, mit Licht und Ton, mit der Einteilung in lebende und nicht-lebende Gegenstände, dem Phasenkonzept Plasma-Gas-Flüssigkeit-Harte Gegenstände, dem Konzept von Leben und Tod, und letztendlich mit den Straßenkennzeichen und “dura lex sed lex”, oder irgendeinen anderen, ist dem Zufall überlassen. Es ist eher anzunehmen, dass die Intelligenz der fahrenden Autos eine ziemlich andere sein wird, allen dadurch, dass sie die Welt durch ihre Sensoren ganz anders sehen und dass sie ihren “ich” eher mit nicht-lebenden Gegenständen verbinden.

Es wird also nicht möglich sein, für den “Programmierer” den Algorithmus so zu schreiben, dass die Autos das Menschenleben bevorzugen. Weil die selbstfahrende Software-Intelligenz keine Algorithmen hat, zumindest keine von Menschen geschriebenen (und übrigens, nur am Rande vermerkt, der Beruf “Programmierer” existiert spätestens seit 90-er Jahren nicht mehr, weil das “Programmieren” in der modernen Software-Entwicklung nur einen sehr kleinen Zeitanteil annimmt und nicht als ein Vollzeitjob ausgeübt werden kann.)

Wir werden die selbst fahrenden Autos vielmehr trainieren bzw. erziehen müssen, dem Menschenleben mehr Wert zu geben. Und das ist gleich eine ganz andere Ausmaß an Aufwand, Forschung, Zeit und Kosten, als der Dobrindt sich vorstellen kann. Unter Umständen werden wir noch eine öffentliche Diskussion mit den Autos (und nicht darüber) durchführen müssen, um die Autos zu überzeugen, unser Leben höher als ihr Leben zu stellen.

Und das fände ich absolut normal und wünschenswert.

Letztendlich geht es darum, eine Intelligenz auf eine billige Weise erwerben und sich bedienen lassen zu können. Das letzte Mal, als die Menschheit das versucht hat, waren die Sklaven aus der Afrika. Die damalige Vorgehensweise ist so was von nach hinten los gegangen! Und es geht immer noch massiv nach hinten los, das Ende nicht in Sicht, sehe den unmenschlichen Zustand von Afrika heute.

Ich hoffe, dass wir es nächstes Mal besser tun werden.
  • Олег С

    хоть бы что-то новое написал уже за жизнь

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