Bewusst sein

Als ich 33 war, habe ich mich taufen lassen.

Das ist ungewöhnlich. Insbesondere deswegen, weil viele aus meiner Familie noch als Kleinkinder getauft wurden. Ich aber nicht, und ich denke, ich hatte dadurch einige Nachteile im Leben. Denn ich habe mich um viele Sachen gekümmert, die es nicht wirklich Wert sind. Allerdings, gibt es auch einen Vorteil. Als Kind kann man über die Taufe noch nicht selbst entscheiden. Natürlich gibt es danach noch die Konfirmation, wo man die Entscheidung, Christ zu sein, das Bekenntnis, sich nochmals überlegen und ganz bewusst machen kann. Was ist aber, wenn man mit 14 Jahre noch zu jung ist, über solche Sachen wie Liebe, Tod, Leben und Gott nachzudenken? Wenn man erst mit 33 entscheidet, sich zum Gott zu bekennen, hat die Taufe eine ganz andere Bedeutung für sein weiteres Leben.

Doch das wurde alles erst nur deswegen möglich, weil die Taufe von der Gesellschaft als kein Pflicht mehr gesehen wird. Erst das gibt uns das Luxus, bewusst über ganz wichtige Sachen des Lebens zu entscheiden. Ich finde, die Situation mit der Ehe ist ähnlich. Sich zu heiraten ist kein Pflicht mehr. Klar, es gibt immer noch einige steuerliche und jüristische Vorteile. Und es gibt noch einige Eltern, die das Heirat als Pflicht erachten. Dies zählt man aber zunehmend zu einer veralteten Sichtweise. Man riskiert sein Image eines fortschrittlichen, modernen und weltoffenen Menschen, wenn man irgendwo behauptet, dass seine Kindern unbedingt heiraten sollen.

Ehe zu schließen ist nicht mehr Pflicht. Und genau das macht das Heiraten in meinen Augen deutlich wertvoller. Früher war das einfach nur eine Prozedere, die für alle Paare Pflicht war, die zusammen wohnen und dabei aber keine schiefe Blicke kassieren wollten. Heute heiratet man, nur wenn man es wirklich tun will. Man will wirklich vor dem Gott seinem Partner und sich selbst etwas versprechen, was mindestens das Leben lang, oder sogar über das Leben hinaus gilt.

Und das ist eine gute Gelegenheit, sich mit dem Begriff Ehe auseinanderzusetzen. Sich verdammt gute Fragen zu stellen. Was kann ich wirklich versprechen? Wie kann ich überhaupt etwas für so lange versprechen? Was will ich von dem Partner versprechen bekommen? Wie muss ich mich ändern, um das Versprechen zu halten? Wie stark kann ich mich überhaupt ändern, ohne mich selbst zu verlieren?

Eigentlich sollte man es als Geschenk empfinden, dass Ehen nicht mehr Pflicht sind. Ob man die Gelegenheit nutzt, ist jedem selbst überlassen. Man kann aber mit Sicherheit sagen, dass in Deutschland prozentual gesehen mehr und mehr wohlüberlegte, bewusste Ehen gibt.

Und das ist gut so.

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